Aiola am Schlossberg,

2002–2003


Tektonik. Von den topografischen Linien der Stadtmauer und Erschließungseinrichtungen wird die räumliche Positionierung eindeutig bestimmt. Das Gebäude nimmt einerseits die Richtung der Befestigungsmauer im Osten auf und hebt die Bedeutung dieser hervor. Andererseits wird die Achse der Dr.-Karl-Böhm-Allee mit dem Baukörper verschnitten. Es entsteht ein Objekt, das die äußeren Verhältnisse in sich aufnimmt und somit eine Neudefinition auf der Ebene schafft. Der Aspekt quasi schwebend auf Graz blicken zu können wird durch den Niveauausgleich erzielt. Dieses 270 Grad Panorama ist die Basis des neu zu schaffenden Raumes, sowohl im Innen- als auch im Außenbereich. Die Leichtigkeit des Ortes oder auch die Übersicht – im ursprünglichen Sinn des Wortes – bilden den Ausgangspunkt für die Objektgliederung. Die öffentlichen Bereiche werden so ausgebildet, dass ihre landschaftliche Anbindung durch Transparenz und Flexibilität erzielt wird. Im Gegensatz dazu entsteht im Norden ein schützend massiver Steinkörper . Das Gebäude wird weitestgehend begrünt . Schilf, Efeu und wilder Wein bewachsen den Steinkörper, Flechten und andere niedere Gewächse die Dachfläche.

Konzeption. Der aus Kalkstein bestehende Schlossberg als unmittelbare Erhebung im Zentrum von Graz (Kulturhauptstadt Europas 2003) stellt für sich ein räumliches bzw. landschaftliches Charakteristikum dar. Die Situierung eines Objektes in einem Ambiente, das von Geschichte und Landschaft geprägt ist und das öffentliche Funktionen übernehmen soll, kann somit nur eine sinnliche Reaktion auf Vorhandenes verstanden werden. Stadtmauern, Niveausprünge und ursprüngliche Pflanzungen prägen gemeinsam mit partiellen Neueingriffen das Gesamtbild. Im Zuge der vertikalen Erschließung des Schlossberges durch einen Aufzug wurde aus der vormaligen Gärtnerei ein Transitbereich für Besucher. Durch die mehrseitige Umschließung der Fläche, einerseits durch die Stadtmauern aus Kalkstein und Backstein, andererseits durch Höhensprünge, ist der Bereich doch noch in der Lage seine schützende Qualität mit Aussicht zu behalten. Eine Insel, umgeben von unglaublichen Blicken auf Graz und typische Pflanzen lässt einen Ort zum Verweilen entstehen, der durch einen entsprechenden gastronomischen Betrieb ergänzt wird.

Funktion. Aus der beschriebenen topografischen Situation entsteht das Funktionskonzept. Richtung Süden befindet sich der flexible Gastraum der nach oben von einer auf sechs Säulen ruhenden Decke begrenzt wird. Der Bezug der Besucherin oder des Besuchers zum Umraum und die Blickbeziehungen auf das Stadtgebiet stehen im Zentrum. Der nach drei Seiten offene Baukörper mit seiner anschließenden Terrassenfläche schafft einen ganztägig ideal belichteten Innen- und Außenraum. Die fünf Meter lange Bar mit dahinterliegender Barwand überblickt sowohl das Draußen als auch das Drinnen. Die Qualität des Gastraumes hängt im Wesentlichen von seiner räumlichen Flexibilität ab. Der offen filigran wirkende Bauteil des Cafés ist mit vertikal beweglichen Senkfronten ausgestattet, die es gestatten, den Innenraum in einen überdachten Außenraum zu transferieren und gleichzeitig den Freibereich bzw. die Terrasse anzubinden. Als zusätzliche Verbindung fungiert das innen und außen gleiche Mobiliar. Die 195 m² große Terrasse aus Lärech für ca. 110 Besucherinnen und Besucher verschmilzt mit dem Café (94 m²) zu einer nutzbaren Fläche von insgesmat 289 m², die somit in Summe Platz für maximal 160 sitzende Personen bietet.

© Paul Ott
© Paul Ott
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© Paul Ott
© Paul Ott
© Paul Ott




AdresseSchlossberg 2, 8010 Graz
BauherrMagistrat Graz Liegenschaftsverwaltung, Immorent Süd
In Kooperation mitfrank, rieper.
MitarbeitJörg Spöttl, Christina Magerl
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